Für Toleranz und Respekt in unserer Stadt Solingen

5. Juli 2012

Wort der Synode des Evangelischen Kirchenkreises Solingen

„Und Gott schuf den Menschen nach seinem Bilde; zum Bilde Gottes schuf er ihn; und schuf sie als Mann und Frau.“ (Gen 1,27)

„Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst!“ (Lev 19, 18, vgl. Lukas 10,27)

„Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!“ (2 Kor 5, 19.20)

Mit großer Besorgnis beobachten wir seit einiger Zeit, dass Parteien mit rechtsextremen Positionen und seit einigen Monaten eine salafistische Gruppe mit religiös-fanatischen Äußerungen sich unsere Stadt zum Kampfplatz für ihre demokratie- und menschenfeindlichen Aktivitäten ausgesucht haben. Die Rechtsextremen insbesondere von Pro NRW wollen mit ihren Aktionen und Parolen Menschen muslimischen Glaubens in unerträglicher Weise provozieren und in ihrem Recht auf Religionsausübung beschneiden. Die salafistischen Hassprediger schrecken auch vor gewaltsamen Übergriffen nicht zurück. Sie versuchen insbesondere junge Menschen für ihre intolerante und aggressive Auslegung des Koran zu gewinnen.

Für die Evangelische Kirche in Solingen ist das Recht auf die freie Ausübung der Religion ein hohes Gut. Für uns ist auch das Recht der freien Meinungsäußerung ein hohes Gut. Beide Rechte gehören zu den unverletzlichen Menschenrechten und bilden eine Grundlage für Frieden und Freiheit in unserer Gesellschaft. Sie sind darum wichtige Verfassungsgrundsätze, die sich unser Land nach den Erfahrungen der Nazi-Diktatur gegeben hat. Sie in Toleranz und Respekt vor Andersgläubigen und Andersdenkenden mit Leben zu füllen ist die Aufgabe aller Bürgerinnen und Bürger. Weil wir als Christinnen und Christen wissen, dass Gott alle Menschen nach seinem Bild geschaffen hat (Gen 1, 27), verstehen wir diese Grundrechte als Teil der unveräußerlichen Menschenwürde, die allen Menschen in gleicher Weise zu eigen ist.

Wir wissen aus einer langen Geschichte des Gesprächs zwischen Christen und Muslimen in Solingen, dass die salafistische Gruppe mit ihrem Hass gegen Andersgläubige nur eine kleine Splittergruppe ist. Im Dialog begegnen wir muslimischen Menschen, denen ebenfalls Frieden und gegenseitiges Verständnis zwischen den Religionen sowie Respekt und Toleranz zwischen den Menschen am Herzen liegen. Wir danken allen muslimischen Gemeinden, Gruppen und Einzelpersonen, die sich als Teil unserer demokratischen Stadtgesellschaft gegen die Parolen der Salafisten wenden und für ein friedliches und tolerantes Miteinander in unserer Stadt eintreten. Wir wissen uns als Christinnen und Christen zur Nächstenliebe aufgerufen (vgl. Lev 19, 18 und Lukas 10,27) und wollen zur aufmerksamen Begegnung zwischen Menschen, auch zwischen den Religionen, beitragen. Gemeinsam wollen wir uns gegenseitig noch besser kennen lernen und miteinander in dieser Stadt leben.

Wir wenden uns auch gegen rechtsextreme Hassbotschaften. Auch sie halten nichts von Versöhnung und Respekt zwischen den Religionen. Teilweise geben sie sogar vor, ihre Provokationen gegen Muslime würden im christlichen Namen geschehen. Als Evangelische Kirche in Solingen weisen wir diese Anmaßung entschieden zurück. Auf Christus berufen und in seinem Namen handeln kann nur, wer anderen Menschen mit Liebe und Respekt begegnet, auch den Menschen, die anders glauben. Jesus Christus ist ohne Kompromisse für die Versöhnung eingetreten. Als Christinnen und Christen wissen wir uns aufgefordert, selber zur Versöhnung aufzurufen (vgl. 2.Kor 5, 19.20). Der christliche Glaube entfaltet diese versöhnende Kraft nicht nur im Blick auf Gott und die Kirche, sondern auch im Blick auf das gesellschaftliche Zusammenleben. Darum wissen wir, dass Fremdenfeindlichkeit, politischer und religiöser Hass niemals mit der Berufung auf Jesus Christus vereinbar sind. Wenn Provokateure wie Pro NRW ihr Handeln christlich legitimieren wollen, dann müssen wir entschieden widersprechen.

Wir sagen darum heute deutlich:

Wir wollen keine Gewalt in unserer Stadt. Wir wollen nicht, dass politische Extremisten und religiöse Fanatiker unsere Stadt als ihren Kampfplatz missbrauchen.

Wir rufen alle Solinger Bürgerinnen und Bürger auf, sich dort zu beteiligen, wo Menschen für ein friedliches und tolerantes Miteinander in Solingen eintreten.

Wir bekräftigen unsere Unterstützung der „Solinger Erklärung für Demokratie und Freiheit“ vom 11. Februar 2012.

Wir bekräftigen unsere Mitarbeit im Solinger Bündnis „Bunt statt Braun“.

Wir rufen alle demokratischen Kräfte in unserer Stadt auf, Spaltungen im Kampf gegen diese Extremisten zu überwinden und für ein möglichst breites Bündnis für Toleranz und Demokratie einzutreten. Wir bieten an, daran mitzuarbeiten.

Wir versprechen, in unseren Gemeinden für Toleranz und Respekt zu werben, den Dialog mit anderen Religionen fortzusetzen und so für Versöhnung einzutreten.

(einstimmig verabschiedet auf der Frühjahrstagung am 16. Juni 2012)

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